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Lebensbild der
Dienerin Gottes Rosella Stàltari
Rosella Stàltari war ganz
Kind ihrer Zeit und eine Tochter Süditaliens, wo sie auch
geboren wurde und aufgewachsen ist. In einer rauen und abseits
gelegenen Gegend mit dem bezeichnenden Namen „Cacciagrande“
(große Jagd), in dem kleinen Ort Antonimina (RC), begann und
entwickelte sich wie ein Hauch das Leben dieses zarten Kindes.
Rosella wurde als drittes Kind der Eltern Antonio und Maria
Reale am 3. Mai 1951 in Cacciagrande geboren, eine Gegend, die
allein aufgrund dieser Tatsache ein Stück Bewunderung verdient.
Schon nach wenigen Monaten
war die bereits arme Familie Stàltari aufgrund einer heftigen
Überschwemmung des dortigen Gebietes gezwungen, Heimat und
Wohnstatt zu verlassen, um zunächst Unterkunft in der Via
Marrapodi, später in der Via Littorio in Antonimina (RC) zu
finden. Früh, im Alter von erst zwei Jahren und fünf Monaten,
verlor Rosella auf tragische Weise – aufgrund eines einfachen
Sturzes – ihre Mutter.
Als Waisenmädchen fand das
Kind Aufnahme im Institut „Scannapieco“ zu Locri (RC), wo sie
bis zum Alter von 14 Jahren blieb.
Im Verlauf der vorliegenden
kurzen Schilderung ihres Lebens, seien einige wenige Passagen
aus ihrem Briefverkehr und ihrem geistlichen Tagebuch zitiert
und dabei in der Originalform belassen, um die Anziehungskraft,
Schönheit und Frische ihrer Worte in aller Ursprünglichkeit und
Größe zum Ausdruck zu bringen.
Die Jahre ihres
Heranwachsens und ihrer Jugend sind gezeichnet von Leid und
Entbehrung sowie einem tief greifenden und schmerzhaften Fehlen
von Zuwendung. All dies hat nachhaltig das junge Mädchen
geprägt, äußerst sensibel gemacht und wohl auch ihre Gesundheit
negativ beeinflusst. Die harte Zeit ihrer Kindheit ließ sie
frühzeitig reifen. Bestätigt wird dies durch eine Aufzeichnung
und Erinnerung an ihre Vergangenheit, welche Rosella im Alter
von 16 Jahren niederschrieb:
„Ich war noch ein Kind und
mir schien, als hätte ich bereits genug erlebt, mir schien als
wär’ ich bereits groß genug und bräuchte niemand; was ich nicht
bemerkt habe war, dass der Schmerz mich an Reife zunehmen ließ.“
Nach dem Abschluss der
Mittelschule in Locri (RC), kam Rosella nach Reggio Calabria zu
den Schwestern von der Miterlöserschaft Mariens (Figlie di
Maria Santissima Corredentrice), die dort ein Heim für
Mädchen aufgebaut hatten. Waise, Bedürftige oder Kinder aus
schwierigen Familiensituationen fanden dort Aufnahme und
Unterstützung.
Der Eintritt ins neue
Institut am 15. Oktober 1965 ließ Rosella neue Zuversicht
schöpfen, Halt und eine entschiedene Ausrichtung auf die
genuinen Werte finden, die in ihrem Inneren wie eine kostbare
Perle verborgen waren. Im Institut waren ihr ein heilig mäßiger
Priester, Pater Vittorio Dante Forno, Gründer der religiösen
Gemeinschaft, der ihr wirklich wie ein Vater wurde, und die
hingebungsvolle Leiterin Fräulein Maria Salemi, Mitarbeiterin am
Gründungsprojekt, an die Seite gestellt. Beide leiteten Rosella
klug und umsichtig auf ihrem asketisch-mystischen Weg.
In der neuen wohltuenden und
angenehmen Umgebung, die ganz anders als alles Bisherige war,
beendete Rosella ihre Ausbildung zur Betriebsekretärin und
anschließend zur Kindergarten-Erzieherin.
Rosella schien sich kaum von
den anderen Mädchen ihres Alters zu unterscheiden, führte ein
Leben inmitten und mitsamt den ganz gewöhnlichen
Schwierigkeiten. Sie selbst meinte einen eher störrischen
Charakter zu haben und bezeichnete sich selbst als „wild“.
Von ihrem Wesen und Inneren
her aber war sie verschieden von allen anderen: ihre Verfassung
und Konstitution waren außergewöhnlich, ihre Gabe der
Beherrschung und der Selbstlosigkeit auffallend, ihre
Bereitschaft zu Opfer und Verzicht unermüdlich. Es gefiel ihr
nicht, die Aufmerksamkeit anderer auf sich zu ziehen, wie ein
sehnsüchtiger Vermerk aus ihrem Tagebuch erkennen lässt:
„Gib, o Herr, dass ich
auf Erden bin, ohne dass man auf mich Acht gibt!“
Welch eindrucksvoller
Ausspruch ihres spirituellen Lebens! Pater Graziano Pesenti aus
dem Karmelitenorden bemerkte einmal dazu:
„Dieses Lächeln, diese
Heiterkeit und dieser Charme des Ausdrucks verwiesen auf ein
äußerst zartes Gespür und Wahrnehmungsvermögen des Verstandes.“
Rosella unterhielt eine rege
Korrespondenz mit den Oberen des Instituts. Sie selbst meinte,
sich aufgrund ihres „schlechten“ Charakters nicht gut genug
mündlich ausdrücken zu können und griff auf das Schreiben
zurück, um sich im spirituellen Leben zu behelfen.
Zwei kurze Überlegungen
motivierten sie zu diesem Schritt. Die Erste findet sich in
einem Brief an Pater Forno aus dem Jahre 1968. Rosella war
damals 17 Jahre alt:
„Lieber Vater, ich
möchte, dass Sie mein geistlicher Begleiter werden. Bis ich zur
Erkenntnis meiner Seele gelangt bin, mögen Sie mir all das
nehmen, was mich auch nur im Geringsten vom wahren Licht, das
Jesus ist, ablenken oder entfernen kann.“
Wenig später, im selben Jahr,
schreibt sie an die Leiterin:
„Ich möchte mich Ihnen
anvertrauen, ich möchte, dass sie mir lehren, Jesus zu lieben,
ihm zu folgen und ganz ihm zu gehören.“
‘Liebe’ und ‘Licht’ – das
waren Grundbegriffe und Grundkoordinaten in der Sprache von
Rosella, welche sich kreuzten und aufeinander folgten,
pausenlos, bis sie schließlich in innigem und ungebrochenem
Verhältnis zueinander standen.
Zu ihrem Briefwechsel bemerkt
die bekannte Schriftstellerin Maria Papasoli in einer Studie zur
Spiritualität Rosellas:
„Diese Korrespondenz
ist für uns der Leitfaden, um den Weg eines kleinen Lebens
nachzuvollziehen, nicht einer kleinen Seele, sondern eines
Lebens, das sich ganz und gar nicht nach oberflächlichen oder
äußeren Gesichtspunkten richtete; ganz alltägliche und beinah
monotone Handlungen und Gewohnheiten fanden in ihr einen
lebendigen und tiefen Resonanzboden, wie kein anderes großes
Ereignis es hätte bewerkstelligen können.“
Beispielhaft ist ihre
Haltung des Vertrauens, des Respekts, der völligen Ergebenheit
und des ehrlichen Wohlwollens, die Rosella ihren Oberen entgegen
brachte: ihre Briefe an sie sind schlicht und atmen demütiges
und kindliches Vertrauen. Folgsam beachtete sie deren Weisungen,
buchstabierte sie ohne Zögern in die konkreten Situationen ihres
Lebens hinein und verlieh so ihrem Glauben an die Worte Jesu im
Lukasevangelium (Kapitel 10, Vers 16) Ausdruck: „Wer euch hört,
der hört mich.“
Seit ihrer Kindheit verehrte
Rosella die Muttergottes auf ehrliche und bemerkenswerte Weise.
Jedes Marienfest, jeden ihrer Gedenktage beging Rosella mit
außergewöhnlicher und auffallender Begeisterung. Den
handschriftlichen Gruß „Ave Maria“ setzte sie auf jeden Brief
und jede Seite ihres Tagesbuches. Hier eine der unzähligen
Anrufungen:
„Gib mir viel Liebe,
allerheiligste Jungfrau, eine reine Liebe, die auf meiner Seele
einen Abdruck deines Sohnes Jesu hinterlässt.“
Rosella ist in den ständigen
Schmerzen ihres Lebens Christus ähnlich gewesen und schreibt
selbst:
„Meinen verborgenen
Schmerz sieht niemand. Aber dennoch martert er mich.“
Schlimmstes Leid hat den
Geist Rosellas gefestigt und gereinigt zugleich und auf immer
ärgere und heftigere Bewährungen vorbereitet. Ein Beispiel für
die Intensität ihrer inneren Schmerzen:
„Wo bist du, o Jesus,
wenn ich mich so schrecklich und fürchterlich allein fühle?
Warum verbirgst du dich?“
Rosella war immer
ausgerichtet auf die jenseitigen Werte und ein ständiges Streben
danach. In ihrem Herzen wuchs und reifte die Sehnsucht heran,
sich dem Ordensleben anzuschließen.
Pater Carlo Cremona
beschreibt die Absicht Rosellas folgendermaßen:
„Rosella ging einen Weg
mitten durch die Dornen und inmitten ihrer „wilden“
Sensibilität, sie liebte Jesus wie eine Mystikerin.“
Kraftvoll und feierlich – die
vorgesetzten Zeiten schnellen Schrittes durchlaufen habend –
wird der 2. Juli 1973 für Rosella ein Tag des kraftvollen und
feierlichen Jubels. Mit ihrem Ordensgelübde kann sie endlich ihr
uneingeschränktes Ja Jesus schenken, das sie folgendermaßen
betont und akzentuiert:
„Dieses Ja, das mich an
Dich für immer bindet, will ich darum auch entschieden,
weitherzig und unbegrenzt vor Dir ablegen und vor allen Dingen
Dich und Dein Kreuz lieben.“
Rosella fand schnell in die
Spiritualität der Schwestern von Maria der Miterlöserin, welche
das Bestreben haben „Seelen auszubilden, die sich als Hostien
für das Priestertum opfern, nach dem Bild der Jungfrau und
Miterlöserin, um in der Verborgenheit, im Schweigen, in der
Betrachtung, in der Arbeit, in der Aufopferung, den Willen
Gottes zu erkennen, zu lieben und anzunehmen“.
Rosella glaubte fest daran,
dass es nötig ist, sich von allem und allen zu lösen, um
Christus gänzlich nachzufolgen. In beinah weisheitlichem Ton und
mit der ergreifenden Reife einer Frau, die bereits in die Wege
des Geistes eingedrungen ist, schrieb sie mit nur 22 Jahren,
wenige Monate vor ihrem Tod, ein geistliches Testament nieder:
„Rosella, wenn du dich
ganz Jesus gegeben hast,
musst du auch alles in
Jesus finden.
Was du
entfernt von Jesus finden wirst, ist nichts.“
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Gebet
um die Seligsprechung von Rosella Stàltari.
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